Historische Entwicklung

Die Arbeitsgemeinschaft Arzneimitteltherapie bei psychiatrischen Erkrankungen (AGATE) ist aus der AMÜP-Studie (Arzneimittelüberwachung in der Psychiatrie) hervorgegangen, die in den 80-iger Jahren mit Hilfe einer Anschubfinanzierung des damaligen Bundesgesundheitsamtes (BGA) in der Psychiatrischen Universitätsklinik München durchgeführt wurde. Damals haben Renate Grohmann und Eckhart Rüther die Pharmakovigilanz-Instrumente geschaffen, um schwere unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu erfassen, zu dokumentieren und zu bewerten [1]. Als die Anschubfinanzierung auslief, übernahm Helmfried E. Klein, damals Ärztlicher Direktor des Bezirksklinikums Regensburg, zusammen mit seinen Kollegen Anfang der 90-iger-Jahre die AMÜP als AMÜP-Bayern in den Bereich der Bayerischen Bezirkskrankenhäuser [2].

Nach 1997 wuchs die Überzeugung, die große fachliche Kompetenz der Kolleginnen und Kollegen, die sich seit Jahren mit Arzneimittelrisiken befassten, auch Anderen zur Verfügung zu stellen. So wurde aus der AMÜP-Bayern die AGATE, die aus der Pharmakovigilanz heraus auch Arzneimittelinformation anbietet [3], [4]. Sie betreibt einen Arzneimittelinformationsdienst (AID), bietet über das Institut für Reproduktionstoxikologie (REPROTOX, Dr. Wolfgang Paulus) Beratung bei der Verordnung von Medikamenten in Schwangerschaft und Stillzeit und unterhält die AGATE-Akademie für Aus-, Fort- und Weiterbildung. Mittlerweile ist aus der AGATE ein überregionales Pharmakokompetenzzentrum geworden, dessen Markenzeichen die interdisziplinäre kollegiale Zusammenarbeit ist [5]. Die AGATE bietet Wirkstoffkonzentrationsbestimmungen mit klinisch-pharmakologischer Befundung [6], (www.konbest.de) an, mit dem PSIAConline (www.psiac.de) steht im Internet eine Datenbank zur Abfrage von Arzneimittelinteraktionen zur Verfügung, mit KONBEST wird eine Internetplattform zur Bewertung von Arzneimittelverordnungen aufgebaut.

Auf Initiative des Direktors der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Bezirksklinikum Regensburg, Herrn Dr. Martin Linder, trafen sich am 3. Februar 2009 Vertreter von 7 bayerischen Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie, um das Programm der AGATE auf die Altersgruppe ihrer Patienten auszudehnen. Seit Herbst 2013 arbeiten auch niedergelassene Psychiater der KJP in der Kinder-AGATE mit [7].

 

 

[1] Grohmann, R, Rüther E, Schmidt LG: Unerwünschte Wirkungen von Psychopharmaka: Ergebnisse der AMÜP-Studie. Springer Verlag, Berlin 1994

[2] Haen, E, Aigner J-M, Jost D, Lippert E, Spindler P, Klein H: Die Arzneimittelüberwachung in der Psychiatrie Bayerns (AMÜP-Bayern). Arzneimitteltherapie 1999; 17, 93-96

[3] Haen E (2004): AGATE: Qualitätssicherung in der Psychopharmakotherapie. Neurotransmitter 15 (Heft 7/8), 34-43

[4] Haen E (2010): Der Klinikverbund AGATE: Ein Pharmakokompetenzzentrum flächendeckend in und für Bayern. Bayerisches Ärzteblatt 65 (12), 702-703

[5] Haen E, Laux G (2011): Arzneimitteltherapiesicherheit / Pharmakovigilanz in der klinischen Psychopharmakotherapie - Das Kliniknetzwerk AGATE. Psychopharmakotherapie 18, 238-243

[6] Haen E, Greiner C, Bader W, Wittmann M (2008): Wirkstoffkonzentrationsbestimmungen zur Therapieleitung - Ergänzung therapeutischer Referenzbereiche durch dosisbezogene Referenzbereiche. Der Nervenarzt 79, 558-566

[7] Haen E (2011): Die KinderAGATE. in: Rexroth CA: Die klinische Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bayern. Entwicklungen - Gegenwart – Perspektiven. V&R Unipress Göttingen, pp 287-306