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Presseinformation vom 21. Februar 2018

Kommerzielle Gentests für die Individualisierung der Depressionstherapie

Zunehmend mehr Menschen in Deutschland leiden an einer Depression. Die Pharmakotherapie dieser affektiven Störungen stellt dabei eine besondere Herausforderung dar, ein auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten zugeschnittenes Behandlungsschema fehlt bislang. Als ein Ansatz für die individualisierte Therapie mit Antidepressiva gelten mittlerweile verschiedene Gentests, zu finden auch in der Leitlinie zur Therapie der unipolaren Depression.
Auf ihrer Homepage veröffentlicht die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) dazu eine Publikation, die sich kritisch mit zwei Tests auseinandersetzt, die seit gut zwei Jahren auf den Markt sind. Untersucht wurden ein von STADA unter dem Namen „STADA Diagnostik Antidepressiva“ angebotenes Test-Kit, sowie der Gentest ABCB1 der Firma HMNC Brain Health Holding.
Die Publikation kommt zu dem Schluss, dass vom routinemäßigen Einsatz dieser Tests abzuraten ist, zumal die Krankenkassen (GKV) die Tests nicht bezahlen.
Auf Grund seiner Brisanz hat sich auch die AGATE dieses Themas angenommen.
Der Hersteller des Gentests wendet sich mit dem Test-Kitwerblich direkt an den Patienten und übt damit indirekt Druck auf deren Ärzte aus, den Test anzuwenden. Damit stellt sich die Frage, wer besser behandelt wird:
Der Kassenpatient, dem eine möglicherweise unsinnige Maßnahme erspart bleibt, oder der Privatpatient, der für teures Geld eine fragwürdige Behandlung erhält.
Eine Wirkstoffkonzentrationsbestimmung mit klinisch-pharmakologischem Befund ist in jedem Fall eine deutlich kostengünstigere und bessere Alternative.

Die AGATE hat zu diesem Thema für ihre Mitglieder ein AID – Arzneimittel-Informations-Dienst (lies englisch: „aid“) erstellt, abgestimmt und auf ihrer Homepage eingestellt.
Der vollständige Text des AID kann per eMail im Pressebüro in Mainz angefordert werden.

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Ekkehard Haen
Vorsitzender der AGATE e.V. und Geschäftsführer Institut AGATE gGmbH
Nelkenweg 10
D -93080 Pentling

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www.amuep-agate.de

Pressekontakt:
Cornelia Bormann M.A.
Communications Management
Bettelpfad 62a
D-55130 Mainz

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Telefon: +49 (0)6131 627 999 0

 

DGPPN Kongress 2016

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„Unterstützung einer rationalen und rationellen Arzneimitteltherapie“ unter diesem Motto stand das Symposium der AGATE, die auch dieses Jahr wieder auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin Präsenz zeigte. So konnten durch die Arbeit der AGATE e.V. am Freitag den 25.11.2016 neue klinische und praxisrelevante Punkte hinsichtlich der Optimierung der individualisierten Arzneimitteltherapie vorgestellt werden. Das wissenschaftliche Spektrum für das Auditorium gestaltete sich vielfältig und abwechslungsreich rund um das Thema: „Arzneimitteltherapie bei psychiatrischen Erkrankungen“. Den Vorsitz hatten Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Ekkehard Haen aus Regensburg und Prof. Dr. med. habil. Thomas W. Kallert aus Leipzig.

Einen spannenden Auftakt bot die pharmakoepidemiologische Anwendungsbeobachtung zur Medikationsbewertung bei geriatrischen Patienten von Frau Bianca Fay. Frau Fay ist Apothekerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe Klinische Pharmakologie von Herrn Prof. Dr. Dr. Haen und führte die interessierten Zuhörer in ihre Studie ein, die als Grundlage für die Erstellung einer neuen Internetplattform zur Medikationsbewertung (AMBEW) dienen. Mit ihren Ergebnissen zeigte die Referentin eine deutliche Korrelation zwischen der Häufigkeit von unerwünschten Arzneimittelwirkungen und der Therapie mit bestimmten Antipsychotika bzw. Kombinationstherapien mit anderen Wirkstoffklassen wie Antihypertensiva. Aus solchen Daten ist ein großer Nutzen hinsichtlich der adäquaten Arzneimitteltherapie, sowie der Optimierung des Verordnungsverhaltens auf gerontopsychiatrischen Stationen zu ziehen.

Einem weiteren interessanten Thema in der psychiatrischen Arzneimitteltherapie – allergische Hautreaktionen unter Antipsychotika - nahm sich Frau Prof. Dr. Sigrid Karrer, Fachärztin für Dermatologie am Universitätsklinikum Regensburg an. Frau Karrer offerierte dem Auditorium einen Einblick in die Häufigkeit von Hautreaktionen unter bestimmten prädestinierten Wirkstoffklassen wie Antikonvulsiva, Antidepressiva und Antipsychotika. Außerdem legte sie diagnostische Strategien, Prophylaxe-Möglichkeiten und pharmakotherapeutische Optionen bei Auftreten einer solchen UAW dar.

Ein weiterer Beitrag eines wissenschaftlichen Schwergewichts im Hinblick auf die psychiatrische Arzneimitteltherapie während der Schwangerschaft kam von Herrn Dr. Wolfgang Paulus, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe und Leiter des Instituts für Reproduktionstoxikologie Ravensburg. Herr Paulus umriss die allgemeinen Risiken unter psychiatrischer Pharmakotherapie während Schwangerschaft und Stillzeit und griff ins Besondere seine Bewertung einer Paroxetin-Exposition von Schwangeren auf.

Den Abschluss machte Herr Dr. Roman Knorr, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie vom Zentrum für Psychiatrie Reichenau. Herr Knorr beschäftigte sich mit dem Auftreten des malignen neuroleptischen Syndroms unter Antipsychotika-Exposition. In seinem Vortrag arbeitete Herr Knorr pathophysiologische Aspekte, wie Ätiologie und genetische Prädisposition heraus und gab einen Einblick in die überaus patientenabhängige und individuelle Symptomatik und der daraus, selbst für erfahrende Ärzte, resultierenden schwierigen Diagnostik des malignen neuroleptischen Syndroms. Auch beleuchtete er differentialdiagnostisch in diesem Zusammenhang das Serotonin-Syndrom und die maligne Hyperthermie, welche eine ähnliche Symptomatik aufweisen. Einen weiteren Stützpfeiler des Vortrags bildeten die Therapie im Akutfall, durch intensivmedizinische Interventionen, sowie die Rezidivprophylaxe bei gefährdeten Patientengruppe mit eventuellen Risikofaktoren wie hirnorganische Vorschädigungen oder MNS in der Eigenanamnese.

Auch die Poster-Session der Doktoranden der Arbeitsgruppe „Klinische Pharmakologie“ von Prof. Haen war ein voller Erfolg. Das wissenschaftliche Spektrum erstreckte sich von schwankenden Ziprasidon-Konzentrationen die auf Mahlzeiten zurückzuführen sind, bis hin zu enzymatischen Beeinflussung von Antipsychotika durch β-Blocker.

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